23.10.2018 – AK Umwelt und Naturschutz: Berichte der ökologischen Stationen

Der neu gegründete Arbeitskreis Natur und Umwelt von Bündnis 90/Die Grünen hat sich auf seiner zweiten Sitzung mit den Berichten der Biologischen Stationen Unna/Dortmund und Soest für das Stadtgebiet Hamm beschäftigt.

Nachdem die Berichte und Empfehlungen, die auf Untersuchungen im Jahr 2017 beruhen, vorgestellt und diskutiert worden waren, stellte der Arbeitskreis fest, dass der Ist-Zustand der meisten Naturschutzgebiete (NSG) überhaupt nicht zufriedenstellend ist: Um den Zustand bewerten zu können, haben die Mitarbeiter der Biostation Unna-Dortmund in den sechs NSG im südlichen Hamm nach sogenannten „bewirtschaftungsrelevanten Arten“ gesucht. Damit sind die Tierarten gemeint, die von der Bewirtschaftung durch die Landwirtschaft betroffen sind. Von den neun Vogelarten Kiebitz, Schafstelze, Feldlerche, Wiesenpieper, Schwarzkehlchen, Rebhuhn, Neuntöter, Wachtel und Wachtelkönig konnten nur in zwei NSGs jeweils eine Vogelart kartiert werden. Das sei viel zu wenig, schließlich sollten die Gebiete so gestaltet und bewirtschaftet werden, dass sie vielen Tier- und Pflanzenarten einen ausreichenden Lebensraum bieten könnten.

Als Ursachen wurden die Kleinräumigkeit der schmalen NSG, die intensiven Bewirtschaftungsmethoden der Landwirtschaft durch hohe Ausbringung von Dünger und Pflanzenbehandlungsmitteln und die jahreszeitlich zu frühen Mahdzeitpunkte ausgemacht.

Im größten Hammer NSG „Radbodsee und Alte Lippe“ westlich der Radbodstraße sei zusätzlich die Störung durch den Freizeitdruck so groß, dass Handlungsbedarf für eine funktionierende Besucherlenkung und eine Kontrolle durch die Ordnungsbehörde nötig seien.

Aus dem Ostteil der Hammer Lippeaue lagen durch die Biostation Soest ähnliche Ergebnisse vor. Hinzu käme der ökologisch schlechte Zustand des Grünlandes: In den NSG „Haarener Lippeaue“ und „Mühlenlaar“ wurde für das Grünland eine schlechte Bilanz dokumentiert: Nur zwei bis elf Prozent der Wiesen und Weiden entsprächen den Kriterien für „Schützenswertes Grünland“ bzw. „Auentypisches Feucht-Grünland“. Die Situation könnte durch Mähgut-, Heu- und Sodenübertragungen verbessert werden.

Die Biologischen Stationen weisen in ihren Berichten eine Vielzahl weiterer konkreter Maßnahmen aus, mit denen der Zustand der NSG verbessert werden kann. Dass diese Maßnahmen finanzielle Mittel erfordern würden, war auch dem Arbeitskreis klar. „Zurzeit laufen die Haushaltsberatungen der Stadt Hamm, und daher fordern wir die Stadt auf, für geeignete und nötige Maßnahmen Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich könnten Fördertöpfe des Landes, des Bundes oder der EU angezapft werden“, so der Arbeitskreis.

Auf lange Sicht wäre es anzustreben, dass die Bürger der Stadt Hamm auch eine Anlaufstelle der Biostationen in Hamm vorfinden würden. „Nur der persönliche Kontakt zwischen Bürgern und Biostationen fördert letztendlich ein funktionierendes Mitwirken einer breiten Öffentlichkeit an den Arbeiten der Biostationen.“