Einordnung zum IG Westfalen und Positionierung der Grünen in Hamm
Im Industriegebiet Westfalen in Lippetal ist der Bau eines großen Rechenzentrums mit rund 31 Hektar Flächen und Milliardenschwerer Investitionssumme geplant. Wir werden als Grüner KV und Fraktion bzw. als Regierungskoalition das Projekt politisch unterstützen, auch wenn die abschließende Entscheidung nicht in unserer Hand liegt, da das Gebiet sich auf Lippetaler Grund befindet.
Grundlage unserer Entscheidung war eine Abwägung zwischen Chancen und Bedenken.
Es gibt kritische Punkte, die wir offen benennen müssen: Der Flächenverbrauch ist erheblich und Rechenzentren sind grundsätzlich sehr energieintensiv. Mit rund 100 entstehenden Arbeitsplätzen ist die unmittelbare Beschäftigungswirkung im Verhältnis zur Fläche begrenzt, auch wenn es sich überwiegend um hochqualifizierte Stellen handelt. Skepsis ist zudem angebracht, weil ein internationaler Investor beteiligt ist und damit die Sorge verbunden sein kann, dass regionale Interessen nicht automatisch im Mittelpunkt stehen.
Anderseits ist dier Vermarktung des Industriegebiets bereits beschlossen, rund 40 Hektar werden an diesem Standort unweigerlich versiegelt werden. Was dieses Projekt daher interessant macht: Es unterscheidet sich deutlich von bereits bestehenden Industriegebieten in und um Hamm, die meist durch Logistikunternehmen geprägt sind. Durch die günstige Lage zum Umspannwerk der Amprion entsteht hier die Möglichkeit, energieintensive Industrie perspektivisch mit 100% grünem Strom zu versorgen. Die Abwärme soll ins Hammer Fernwärmenetz eingespeist werden und die Kühlung erfolgt mittels geschlossenem Kühlwasserkreislauf, der den Wasserverbrauch der Anlage immerhin begrenzt.
Hinzu kommt der strukturelle Effekt: Ein Rechenzentrum kann die gesamte Region – auch Hamm – als Technologiestandort stärken. Solche Infrastrukturen wirken häufig als Anker und Ansiedlungsgrund für weitere IT- und technologieorientierte Unternehmen mit hochqualifizierten Arbeitsplätzen.
Die finale Entscheidung obliegt Lippetal. Für unsere Unterstützung bleibt maßgeblich, dass die zugesagten Punkte zu erneuerbarer Energie, Abwärmenutzung und Wasserkreisläufen verbindlich umgesetzt und langfristig abgesichert werden.
Wir sehen hier die Chance, anstatt weitere Logistikparks hier eine Schlüsselindustrie anzusiedeln, die mit grüner Energie betrieben werden kann und unserer Region einen wichtigen Standortvorteil im digitalen Zeitalter verschafft.